Sorgen um die Lebensmittel-Nahversorgung im Eichholz

Nicht nur in kleinen einsamen Dörfern auf dem flachen Land wird der letzte Lebensmittelladen geschlossen und hinterlässt eine spürbare Lücke. Vergleichbare Versorgungslücken entstehen auch in Ballungsräumen, auch in blühenden Städten, auch in Sindelfingen.

Im Eichholz sind schon zwei kleine Geschäfte geschlossen worden, weil sie keinen auskömmlichen Gewinn abwarfen. Es ist nicht realistisch, noch auf einen dritten Geschäftsmann zu hoffen. In der Viehweide, am Goldberg zeichnen sich ähnliche Entwicklungen ab, erwächst ein grundsätzlicher Mangel an fußläufiger Versorgung, der auch der Stadtverwaltung Sorgen bereitet.

Im Eichholz haben engagierte Bürger die Initiative ergriffen und eine Projektgruppe gebildet. Sie hat sich bei einschlägigen Experten umgehört, die es für diese Problematik inzwischen bundesweit gibt. Sie hat die örtlichen Verhältnisse untersucht, hat die Kundenwünsche hinsichtlich des Sortiments erkundet, hat Berechnungen durchgeführt und einen vorläufigen Geschäftsplan erstellt.

Einziges erfolgversprechendes Modell scheint die genossenschaftliche Führung eines kleinen Ladens zu sein. Der müsste dann nämlich keinen Profit abwerfen. Andererseits müssten viele Bürger und Bürgerinnen Einlagen von je mindestens 100,- Euro für das nötige Startkapital machen. Es müssten mindestens 35.000,- Euro, nach anderen Erfahrungen bis zu 100.000,- eingesammelt werden, nur um die Einrichtung und die Erstausstattung mit Waren zu kaufen. Schon das könnte sich als unüberwindliche Hürde für die 2.200 Einwohner erweisen, zumal eine hohe Zahl von Migranten dieses Wohnviertels nicht mitmachen wird.   Eichholz Dorfplatz IMG_3999

Die Optimisten aus der Projektgruppe weisen darauf hin, dass mit der eingezahlten Summe für die Teilnehmenden ein kaum bezahlbarer Gewinn an Lebensqualität zu gewinnen wäre. Andererseits könnte aus wirtschaftlicher Sicht der persönliche finanzielle Anteil am Laden bewirken, dass nicht nur Gelegenheitskäufe von den „Teileigentümern“ getätigt werden, der Umsatz also steigt.

Wenn auch in einem genossenschaftlich geführten Betrieb kein Gewinn angestrebt werden muss, müssen doch die laufenden Kosten erwirtschaftet werden. Sie würden sich im durchgerechneten, sehr sparsamen Lösungsansatz auf 72.000 Euro im Jahr belaufen. Dafür müssten jeden Tag 200 Kunden wenigstens 10,- Euro ausgeben, was nach dem Urteil der Fachleute nicht gerade realistisch ist. Die optimistische Projektgruppe hält dem entgegen, dass ja ein einem derartigen Quartiersladen auch ein beachtlicher sozialer Vorteil gesehen werden sollte: Die Bürgerinnen und Bürger treffen sich dort, eine Gemeinschaft kann wachsen, die Lebensqualität wird größer.

Im Eichholz speziell ergibt sich leider noch eine zweite riesige Hürde: der bisherige Laden, der groß genug wäre und auch die nötigen Nebenräume hätte, wird nicht mehr zur Verfügung stehen. Eine andere geeignete Räumlichkeit scheint nicht vorhanden, insbesondere dürften die Räume der ausziehenden Kreissparkasse auch für einen sehr kleinen Laden unzureichend sein.

Anlässlich eines Bürgerworkshops wurden am 9.5.14 die Fakten im Beisein von Fachleuten einschließlich der Baubürgermeisterin Dr. Clemens und dem Leiter der Planungsamtes der Stadt diskutiert. Die Projektgruppe will weiter planen. Aber aktuell ist ein erfolgversprechender Weg nicht wirklich in Sicht. -sei-


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