Der Optimismus in der Daimler-Spitze lässt hoffen.

Zu einer “Standortvorstellung“ hatte der Direktionsleiter Produktion SEC Andreas Kellermann die Bürgermeister und den Gemeinderat Sindelfingens geladen. Man wollte den politisch Verantwortlichen der Stadt einen “Überblick über die aktuellen und geplanten Baumaßnahmen am Standort“ geben. Die Verantwortlichen vom Projekt “ Zukunftsbild Werk Sindelfingen“ hatten Vorträge mit vielen Folien zu Forschung und Entwicklung sowie zu projektierten Baumaßnahmen vorbereitet. Schriftliche Unterlagen gab es nicht, nur zwei aktuelle Luftaufnahmen des Werkgeländes.

Die gewaltige  Summe von 1,5 Mrd. Euro will man in drei Jahren in ein Zukunftsprojekt  investieren. Dafür sind Neu- und Umbauten vorgesehen, die über das ganze Werksareal verteilt sind. Hinzu kommen weitere 600 Millionen gezielt für Forschung und Entwicklung im MTC. Das alles wird neben dem laufenden Betrieb durchgezogen, also während der an Umfang weiter zunehmenden Produktion der schönsten und teuersten Automobile, die natürlich auch mit Stolz gezeigt wurden.

Daimler Werk von N.IMG_6342

Luftbild wurde von der Daimler AG dem OB und jeder Fraktion überreicht

Viele Details prasselten auf die Zuhörer herunter, in perfekter Demo so schnell, dass man eigentlich nur einen Gesamteindruck behalten konnte: Eine umfassende Weichenstellung für die Zukunft hat begonnen, eine technische Perfektionierung und Umorientierung des Fahrzeugbaus – ein Kraftakt. Wie sich die Märkte und die Vorlieben der Kunden in den nächsten 10 Jahren entwickeln werden, hat man damit nicht voll in der Hand. Aber man hat  das Menschenmögliche getan, auch für die Arbeitsplätze.

Im persönlichen Gespräch beim anschließenden Get Together haben wir den beim ganzen Führungsstab deutlich spürbaren Optimismus angesprochen, denn gerade die älteren Gemeinderäte haben ja mehrere Konjunktureinbrüche mit entsprechendem Einbruch der Gewerbesteuerzahlungen in schmerzlicher Erinnerung. Und auch gegenwärtig sehen die Wortführer der Medien reichlich Risiken für die Währungssysteme, die Konjunktur, überhaupt für Europa und die Weltpolitik heraufziehen.

Der Leiter der Produktion Sindelfingen, Herr Michael Bauer machte deutlich, dass eine Weltfirma wie der Daimler praktisch zur Ausrichtung auf ständigen Erfolg verdammt sei. Wenn sie nicht untergehen will, muss sie selbst den steten Fortschritt vorantreiben, die Entwicklung vorgeben. Daher investiert sie auch in diesen Tagen auf allen Feldern, auf denen sich Progressionsmöglichkeiten erkennen lassen. Und diese Weiterentwicklung des Konzerns wird offensichtlich in Sindelfingen stattfinden.

Das war eine überzeugende und wohltuende Botschaft für die anwesenden Gemeinderäte. Die Freien Wähler werden darauf achten, dass die Stadt antworten wird mit Investitionen in Jugend, Nachholbedarf und Stabilisierung der Finanzen, nicht aber in Begehrlichkeiten und Wahlversprechen .

Geradezu futuristisch surreal geriet dann der Spatenstich für den Neubau einer Nachrichten-Technik Zentrale. Mitten auf der – heute noch – schönen weiten Wiese vor dem Bau 18/2 und 3, auf die man durch die halbkreisförmige verglaste Front der Restauration sieht, hatte die Feuerwehr eine Fläche ausgeleuchtet. Gespenstisch traten sieben Gestalten in Regenumhängen und mit leuchtend weißen Schutzhelmen in einer Reihe an. Mit extra großen, im Scheinwerferlicht metallisch glänzenden Spaten versuchte jeder von ihnen, irgendwie ein Loch in die harte weil trockene Grasnarbe zu stoßen und etwas Staub auszuwerfen. Die Gesichter (Bürgermeister/innen der Stadt und Vorstände von Daimler) konnte man nicht erkennen, Schweiß haben sie nicht abgewischt.

Den gravierten Spaten durften sie behalten: Andenken an den symbolischen Start eines Gebäudes mit Bestimmung für ein bemerkenswertes technisches Neuland im Autobau. -sei-


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