Zukunftsgerechter Standort für ein Krankenhaus

Krankenhäuser sind überaus dynamische Systeme. Ständig werden sie an die Erfordernisse und Möglichkeiten, die der Fortschritt mit sich bringt, angepasst. Dank entsprechender Umbauten und Verbesserungen kann man sie weit mehr als 50 Jahre nutzen.

Es leuchtet ein, dass zum Beispiel die Architekten der beiden Krankenhäuser in Sindelfingen und Böblingen bei der Planung Anfang der 60er Jahre nicht die ganze zukünftige Entwicklung voraussehen und berücksichtigen konnten. Zum Beispiel konnten sie sich 1960 überhaupt nicht vorstellen, wie viele Autos 50 Jahre später täglich zu ihren Krankenhäusern fahren würden. Es gab bei uns noch keine Parkhäuser.Auch die damaligen Ärzte konnten ihnen nicht andeuten, welche gewaltigen Apparate fürs Röntgen und andere bildgebende Verfahren entwickelt werden würden (mit entsprechendem Raumbedarf), Ärzte konnten allenfalls vermuten, welche medizinischen Spezialgebiete entstehen und dann eigene Abteilungen oder Kliniken erfordern könnten (Orthopädie, Urologie, Frühgeborene, künstliche Niere, Herzkatheter usw.). Dafür würde 20 Jahre später in Sindelfingen ein ganzes Hochhaus mit „Breitfuß“ errichtet und das Böblinger Krankenhaus erheblich erweitert werden.

Für die Verwaltung hatte man in Sindelfingen drei Zimmer neben der Pforte eingeplant. Zwanzig Jahre später wurde ein zusätzlicher Bau erstellt, der eigentlich zur Hälfte für die Studenten des Lehrkrankenhauses vorgesehen war. Sie sind bald der wachsenden Verwaltung gewichen, und die füllte in den letzten Jahren noch weitere vier Gebäude mehr oder weniger.

Die Planer vor 50 Jahren hatten Glück: Damals war man beeindruckt von Untersuchungen darüber, dass der Keimgehalt der Luft in den Städten hoch und potentiell schädlich ist (von Feinstaub war noch nicht die Rede), und dass Verkehrslärm und anderer Stress die Gesundung behindert. Deshalb lokalisierte man Krankenhäuser möglichst an den Rand der Städte und umgab sie mit einem Park. So bestanden in den folgenden Jahrzehnten Platzreserven.

Heute scheinen große Straßen in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Krankenhaus oberste Priorität zu haben. Man meint, die Nachteile einer Innenstadt durch Antibiotika bzw. Schallschutzfenster beherrschen zu können. Auf dem Flugfeld gibt es noch ein Grundstück, das gerade eben ausreichend Platz für den Neubau unseres Zentralkrankenhauses bieten würde, mehr aber auch nicht.

Die Entwicklung dieser Klinik in den nächsten 50 Jahren kann niemand voraussehen. Aber aufgrund obiger Erfahrung darf man jetzt schon prophezeien, dass man – wie in der Vergangenheit – irgendwann dringenden Bedarf für neuen Raum neben der Klinik haben wird. Dann wird man Teile der angrenzenden öffentlichen Grünflächen und des langen Sees überbauen müssen. Man wird von Sachzwängen und Alternativlosigkeit reden…

 

Prof. Dr. Wolfgang Seidel

Stadtrat der Freien Wähler


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